Direktwahlen

„Es ist schon ein großer Trost bei Wahlen, dass von mehreren Kandidaten immer nur einer gewählt werden kann.”
Mark Twain

Urwahlen sind Persönlichkeitswahlen. Die Frage nach dem geeigneten Kandidaten gewinnt dabei natürlich eine große Bedeutung. Klar ist: Wer Angst vor Personenkult hat, wird eine Urwahl nicht gewinnen können.

Die Auswahl des Kandidaten sollte frühzeitig – am besten bereits drei Jahre vor dem Wahltermin – erfolgen. Die Bedeutung der „Koalitionsfähigkeit“ des Kandidaten ergibt sich zwangsläufig aus der Notwendigkeit, eine absolute Mehrheit zu erringen, ein Quorum also, das heutzutage von einzelnen Parteien und Gruppen immer seltener erreicht wird.

Bei Urwahlen liegt die Wahlbeteiligung erfahrungsgemäß relativ niedrig. Somit stellt sich die Aufgabe der Mobilisierung in verschärfter Form. Die Wähler entscheiden bei Urwahlen zumeist strategisch. Befragungen und Untersuchungen haben einige interessante Erkenntnisse gebracht:

1. Die Zugehörigkeit eines Bewerbers zu einer Partei spielt nur für etwa ein Drittel der Wähler eine Rolle (bei jüngeren Wählern sogar nur etwa 20 Prozent).
Die Befragten geben als wichtigste Faktoren für ihre Wahlentscheidung an: Bürgernähe, Fachkompetenz, überparteiliches Engagement. Die Wahlergebnisse bestätigen diese These: Vor allem in Städten und Kreisen (weniger in Orts- und Verbandsgemeinden) kommt es in mehr als der Hälfte aller Wahlen vor, dass ein Kandidat bevorzugt wird, der nicht für die stärkste Fraktion antritt.

2. Diese Fakten dürfen nicht darüber hinweg täuschen, dass ein Kandidat nur dann wirklich eine reale Sieg-Chance hat, wenn die Partei geschlossen hinter ihm steht und dies auch im Wahlkampf dokumentiert.
Zudem ist die Mobilisierung der eigenen Wähler-Klientel von enormer Wichtigkeit.

3. Die politische Großwetterlage spielt in der Regel keine Rolle bei der Wahlentscheidung „vor Ort“.

4. Die Wahlbeteiligung ist in der Regel niedriger als bei Bundes- bzw. Landtagswahlen.
Trotzdem kann hier keine generelle Aussage getroffen werden, da die Zahlen regional sehr unterschiedlich sind. Generell ist aber festzustellen, dass die Wahlbeteiligung in größeren Städten geringer ist als in ländlich geprägten Gebieten. Außerdem fällt die Wahlbeteiligung in der Regel bei Stichwahlen hinter das Ergebnis der ersten Wahl.

5. Amtsinhaber genießen – nicht nur statistisch gesehen – zweifellos einen Amtsbonus.
Dieser Bonus schwächt sich dann vehement ab, wenn der Amtsinhaber bereits mehr als 15 Jahre im Amt ist bzw. dem Amtsinhaber einige Negativ-Entwicklungen angelastet werden (können).

6. Kandidaten, die aus der Heimatgemeinde stammen bzw. als „Einheimischer“ wahrgenommen werden, haben in der Regel größere Chancen als Kandidaten, die „von außerhalb“ kommen, selbst wenn diese ausgewiesene Fachleute sind.

 

Bevor der eigentliche Wahlkampf beginnt, sollte sich der Kandidat darüber klar werden, dass die Wochen bis zum Wahltag eine kräfteraubende, zeitintensive und nervenzehrende Zeit darstellen. Auch wenn es im ersten Moment etwas seltsam klingt: Die persönlichen Verhältnisse sollten vor dem Wahlkampf geregelt sein, d.h. der Partner/die Familie sollten mit der Kandidatur einverstanden sein und diese auch unterstützen. Zudem ist speziell in der heißen Wahlkampfphase eine gehörige Portion Toleranz des Partners vonnöten. Darüber sollte sich der Kandidat frühzeitig im klaren sein.

Der Kandidat muss als „Marke“ positioniert und wahrgenommen werden. Aus diesem Grund ist das Image bzw. Auftreten von entscheidender Bedeutung. Korrekturen am Erscheinungsbild (Brille, Haare, Kleidung etc.) sollten frühzeitig vorgenommen werden, um nicht den Eindruck entstehen zu lassen, es handele sich um eine „Kunstfigur“. Zusätzlich ist es ratsam, sich mit den Themenkomplexen „Positives Denken“ und „Körpersprache“ intensiver zu beschäftigen.